Bildung in der Migrationsgesellschaft – Parlamentarischer Abend der GEW

IMG_0892Wiedersehensfreude: GEW-Finanzchefin Petra Grundmann (ganz links) und Ulrike Bahr von der SPD (MdB, Zweite von links) waren in den 1990er Jahren gemeinsam für die bayerische GEW aktiv. Beim Parlamentarischen Abend der GEW zum Thema „Bildung in der Migrationsgesellschaft“ haben sie sich an eine große KITA-Tagung erinnert, die sie damals zusammen in Augsburg organisiert hatten.
Lustiger Ausklang eines Treffens mit ernstem Inhalt: Wie kann das Bildungssystem die mit der verstärkten Migration zusammenhängenden Aufgaben bewältigen? Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es hierfür? Muss das Kooperationsverbot dafür aufgehoben werden?
Interessant war für mich auch ein anderer Aspekt der Thematik: Geraten andere gesellschaftliche Randgruppen durch die finanziellen Erfordernisse der Flüchtlingskrise ins Hintertreffen? Spontan würde ich schon die Fragestellung als rechtspopulistisch zurückweisen, klingt sie doch nach Neid und Abwehr – nach dem Motto: Die Flüchtlinge machen uns unseren schönen Wohlfahrtsstaat kaputt. Eine für Politiker sehr bequeme Argumentationslinie, wenn sie die sozialen Schieflagen, die ja schon vor der vermehrten Ankunft von Flüchtlingen bestanden haben, rechtfertigen wollen: Leider ist kein Geld mehr da, das mussten wir für die Flüchtlinge ausgeben.
Auf der anderen Seite muss ich bei dieser Diskussion auch an meinen neuen wohnungslosen Bekannten denken, der mich schon seit einigen Wochen in Frankfurt regelmäßig vom Zug abholt und mir gegen eine geringe „Spende“ meinen Koffer auf das Nachbargleis trägt. Warme Suppe, so hat er mir erzählt, gibt es für ihn nur noch, wenn die Flüchtlinge etwas übrig lassen. Die Bahnhofsmission habe schon lange nicht mehr genug Geld für Suppenküchen.
Ich habe nicht nachgeprüft, ob das stimmt, aber ich denke, dass hierin ein grundsätzliches Problem zum Ausdruck kommt – nämlich die Bürokratisierung von Hilfeleistungen in unserer Gesellschaft. Wer eine Hilfeleistung in Anspruch nehmen möchte, muss sich zunächst einmal stigmatisieren lassen: als Flüchtling, als Obdachloser, als Behinderter, als Arbeitsloser, als Förderkind …
Dahinter verbirgt sich das Grundübel einer exklusiven Gesellschaft: Statt Ressourcen für alle Bedürftigen zur Verfügung zu stellen, werden in einem paternalistischen Ansatz Fürsorgeleistungen gewährt. Die Suppe ist nur für den Flüchtling da, der dafür aber im Obdachlosenheim unerwünscht ist. Zusätzliche Lehrkräfte werden nicht etwa eingestellt, um alle Kinder so zu fördern, dass bei keinem ein spezieller „Förderbedarf“ entsteht. Sie werden der einzelnen Schule vielmehr nur dann gewährt, wenn genügend Kinder als „förderbedürftig“ etikettiert worden sind.
Einziger Ausweg: Der Aufbau einer wahrhaft demokratischen und inklusiven Gesellschaft. Das braucht lange, aber wir müssen heute damit anfangen! – Und es beginnt damit, dass wir alle Menschen als gleichwertig betrachten.

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