Keine Nachhaltigkeit ohne Natur- und Artenschutz

 

 

Wir erleben in Moment einen „Klimaschutz“, der alle Schutzmaßnahmen zum Arten-, Natur und Landschaftsschutz aushebelt und die letzten Bande der Menschen zur Natur durchschneidet.

Der Schutz der natürlichen Ressourcen, des Planeten hat sehr viel mit einer emotionalen Verbindung zur Natur zu tun: Mit vertrauten Landschaften, Walderleben (Vogelgezwitscher, das Rauschen der Bäume) und Tierbeobachtung. Diese emotionale Bindung an die Natur war der Anlass zur Gründung der Naturschutzverbände.

Heute ist das Verhältnis der Ökobewegung zur Natur weitenteils technokratisch. Aussterbende Tierarten (wie Schwarzstorch und Rotmilan sowie viele Fledermausarten) und die Zerstörung von Landschaften bekümmern wenig. Es geht um die eigene Gesundheit und ob der Stromverbrauch „öko“ ist.  Wälder werden abgeholzt, ganze Tierarten für den „Ökostrom“ ausgerottet, für „Bio-Sprit“ werden die letzten Reste des Regenwaldes zerstört und für die Lithium-Batterien der E-Autos ganze Landstriche in Wüsten verwandelt und die Menschen dort arm und krank gemacht.

„Öko“ ist zum nationalistischen, egozentrischen, naturfeindlichen Lifestyle verkommen. Eine politische Richtung für die gentrifizierten Stadtteile. Das  Denken in Habitaten und Ökosystemen hat in diesem urbanen Lifestyle-Weltbild wenig Platz, denn es fehlt das lebendige Verhältnis zu einer vielfältigen Natur.

Bildung für nachhaltige Entwicklung hat in diesem Sinne auch die Aufgabe, die Bänder zur lebendigen Natur wieder zu knüpfen und die heranwachsende Generation mit den Wundern und der Perfektion der Natur vertraut zu machen. Denn: Klima- und Umweltschutz könnnen nur MIT und nicht GEGEN die Natur gelingen. Nur die respektvolle Achtsamkeit gegenüber Flora und Fauna kann diesen Planeten noch retten – nicht der Glaube an einen grünen Kapitalismus, der genauso rücksichtslos Habitate und Lebensräume zerstört und natürliche Ressourcen in Massen verschlingt.   Ressourcen-Sparen muss endlich populär werden. Also, liebe Lehrpersonen: Geht in den Wald und an den Teich und baut keine Windräder für BNE!

 

 

Impressionen von der Didacta 2019 in Köln

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Martina Schmerr vom Hauptvorstand und die Griffelkasten-Autorin

Auch dieses Jahr wieder: Toller GEW-Stand. Eigentlich eine ganze GEW-Landschaft! Komplim20-gew-nrw-didacta-2019-koelnent an den Landesverband: Die GEW war nicht zu übersehen. Banner, Plakate, Flyer, wo immer man hinsah. Die Reizüberflutung in der Halle war kein Problem, denn die GEW-Fußspuren führten von überallher in die rote Oase zurück. In der Oase: Herzliche Begegnungen mit engagierten KollegInnen, Energieschub durch Kaffee und Kekse, und dann: nächste Runde durch das Didacta-Labyrinth …Auch_in_der_Kita-Halle

Etwas kleiner, aber dafür von echter Lilliput-Gemütlichkeit: der KITA-Stand. Die Pezzi-Sessel tun dem didactageplagten Rücken gut. Da lacht auch das Grundschullehrerinnen-Herz! Wichtiges Thema in diesem Jahr natürlich: das Gute-Kita-Gesetz – das wir gar nicht so gut finden. Ein schöner Name schafft noch keine besseren Arbeitsbedingungen. Deshalb, Frau Ministerin, bitte merken: In Zukunft erst arbeiten, und dann loben. Kleiner Tipp: Kleine Gruppen sind große Klasse – und: Erzieherinnen verdienen mehr …

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Mein Prototyp aus Kindertagen ist leider out

Schöne neue digitale Bildungswelt? Die Themen Schulcloud, digitale Schulverwaltung und Lernplattformen waren – wie nicht anders zu erwarten – allgegenwärtig. Der Digitalpakt lässt grüßen. Manches war doch arg „nerd-lastig“. Nicht aber die Roboterecke! Dort hatte ich eine echte Begegnung der „dritten Art“: Ein Roboter von ausgewählter Star-Wars-Höflichkeit fragte mich nach meinen Wünschen. Ich muss gestehen: Mit seinem Charme hätte er mich (fast) um den Finger gewickelt. Immerhin habe ich mir daraufhin die Lernplattformen zum Programmieren für die Grundschule einmal näher angeschaut. Das Spielkind in mir hat sich davon doch stark angesprochen gefühlt. Ich denke, dass das eine wichtige Grundlage für die Computer-„Alphabetisierung“ sein könnte. Als ergänzender Lerninhalt im Sachunterricht kann es sicher seinen Platz in der Grundschule haben.

Link: GEW-Materialien und Positionen zum Themenkomplex Medienbildung und Digitalisierung

Umfassende Medienbildung: Ja, bitte! Einflussnahme der Wirtschaft auf den IMG_2722Unterricht: Nein, danke! Manches, was da glänzt und glitzert, erweist sich bei näherem Hinsehen als trojanisches Pferd. Ich weiß: Angesichts der enormen Fülle von kostenlosen Materialien ist es schwer, den Überblick zu behalten. Das ist mir auf der Didacta auch so gegangen. An vielen Stellen haben Firmen durchaus ansprechende Materialien angeboten. Und zwar nicht nur Firmen aus der Digitalbranche – auch die Müsliwirtschaft bemüht sich nach Kräften, einen Fuß in die Schulküche zu bekommen. Meine Reaktion: einen Müsliriegel eingepfiffen, Material eingesäckelt und alles zu Hause in Ruhe geprüft.

Link: GEW- Privatisierungsreport zu Propaganda und Produktwerbung

DlXZJRAXcAI4lS9Ein Fels in der Brandung: Vera Fricke von der Bundeszentrale für Verbraucherschutz. Als Leiterin   des Stabs für  Verbraucherbildung hat sie einen Online-Materialkompass mitentwickelt. Der Kompass hält, was der Name verspricht: Er bietet eine echte Orientierung in der Fülle der kostenlosen Unterrichtsmaterialien. Zu etlichen Materialien gibt es Bewertungen (in Form von Sternen) und ausführliche Rezensionen. Die GEW arbeitet mit Vera schon sehr lange zusammen. Ich treffe sie regelmäßig beim Fachforum Schule / Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sie ist für mich eine wichtige Ansprechpartnerin für Fragen wie ressourcenschonende Ernährung, nachhaltigen Konsum oder auch den kritischen Umgang mit der Finanzbranche.

Materialkompass der Verbraucherzentrale

A propos ressourcenschonende Ernährung: Interessant war für mich auch der BesuchIMG_2747 am Stand der Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein gibt Info-Broschüren, aber auch Unterrichtsmaterialien heraus. Wichtigstes Anliegen: Sensibilisierung für die Qualen, die Tiere in Versuchslaboren erleiden. Und zwar größtenteils für völlig zweckfreie Grundlagenforschung! Der Verein informiert darüber hinaus über Alternativen zu Tierversuchen, u.a. zu den Möglichkeiten der Forschung mit Hilfe von Zellkulturen und Computermodellen. Ich war überrascht, wie heiß umstritten das Thema noch immer ist. Mir wurde das bewusst, als ich am Stand Zeuge einer hitzigen Debatte zwischen einem Biologieprofessor und Mitgliedern des Vereins wurde.

Schulseite des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“ mit Materialien

IMG_2721.JPGAuch dieses Jahr hat mich die eindringliche Werbung der Bundeswehr nicht zum Dienst an der Waffe bewegen können. Und das, obwohl die Bundeswehr regelmäßig einen der größten Stände auf der Didacta hat! Leider entspricht das der Rolle, die ihr in einigen Bundesländern im Unterricht eingeräumt wird. Ich bin mir da mit Pax Christi, Terre des Hommes und vielen anderen Organisationen einig: Die Bundeswehr hat in der Schule nichts zu suchen – die Rekrutierung von Minderjährigen verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Auf jeden Fall müsste „Waffengleichheit“ herrschen: Die Friedensbewegung müsste im gleichen Maß Zugang zu den Schulen haben. Diesem Ziel dienen auch die Fachforen zur Friedensbildung, die die GEW auch dieses Jahr wieder auf der Didacta veranstaltet hat.

Links zum Thema:

Die GEW zum Thema Bundeswehr und Schule

 „Kinder im Visier der Bundeswehr“. Broschüre von Terre des Hommes und GEW

Sonderausgabe des AWO-Magazins „Vielfalt“ zum Thema Friedensbildung

Vor lauter Digitalisierung nicht zu vergessen: der Mensch! Menschen haben Vorurteile,rass Vorurteile können zu Rassismus führen. Ein wichtiges Thema für eine Einwanderungsgesellschaft, also auch für deutsche Schulen. Auf der Didacta gab es dazu eine eigene Podiumsdiskussion. Dort habe ich Ali Can kennengelernt. Als angehender Lehrer hat er einen Verein für interkulturellen Frieden gegründet und leitet das Vilefalt- und Respektzentrum in Essen, das ein Ort der Begegnung, der Erfahrung und des Dialogs sein soll. In der Diskussion kamen insbesondere die oft unreflektierten Vorurteile zur Sprache, die vielfach zu Diskriminierungen (und in der Folge zu Lernunlust) führen. Außerdem bei der Diskussion dabei: Cornelia Gresch vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), die zu Diskriminierungen im Unterricht geforscht hat, sowie eine gewisse Ilka Hoffmann. Alle waren sich einig, dass wir eine unabhängige Anti-Diskriminierungsstelle in jedem Bundesland als Anlaufstelle für Betroffene sowie für fortbildungswillige Schulen bräuchten.

Links zum Thema:

Sendung von Deutschlandfunk Kultur vom 21.02.2019: Das Vielfalt- und Respektzentrum in Essen

Materialien der GEW zu den Themen Antirassismus und Antidiskriminierung

Screenshot_2019-02-25 mittendrin e V ( mittendrinev) TwitterLeider etwas an den Rand gedrängt: die Inklusion. Dabei habe ich auch dieses Jahr wieder festgestellt: Inklusion kann sexy sein. Beste Beispiele: die Powerfrau Eva-Maria Thoms vom Kölner Inklusionsverein Mittendrin und der Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen. Letzteren erkennt man nach seiner Aussage an seiner schicken Schirmmütze – obwohl ich persönlich eher seine Schlagfertigkeit bei Diskussionen als Erkennungsmerkmal ansehen würde.  Beide hatten das „Vergnügen“, mit dem Inklusionsskeptiker und Präsidenten des Lehrerverbandes, Peter Meidinger, über die schulische Inklusion zu diskutieren. Auf dem Foto ist zu sehen,  wie inklusiv Inklusionsbefürworter sind. Eva und Raúl haben auch etwas Werbung  für den Film „Kinder der Utopie“ von Hubertus Siegert gemacht. Der Film ist ein Nachfolgeprojekt zu dem Inklusionsfilm „Klassenleben“, der 2007 ein sechstes Schuljahr der Berliner Flämingschule porträtiert hat. In dem neuen Film werden die Kinder von damals als junge Erwachsene gezeigt. Alle haben ihren Platz im Leben gefunden und leben dabei auch heute noch die Vielfalt, die sie in der Schule als Normalität erfahren haben. Am 15. Mai wird der Film in vielen deutschen Kinos im Rahmen eines Aktionstags gezeigt, der auch anschließende Diskussionen beinhaltet.

Infos und Trailer zum Film „ Die Kinder der Utopie“

Website des Vereins Mittendrin e.v.

Homepage von Raúl Aguayo-Krauthausen

Kleiner Tipp zum Thema Verschiedenheit als Normalität: ein entzückendes Video der BBC, in dem jeweils zwei befreundete Kinder zu den Unterschieden zwischen ihnen befragt werden.

Weiterer Link zum Thema:

GEW- Materialien und Positionen zur Inklusion

busch01Regelmäßiger Gast am GEW-Stand: Michael Hüttenberger, der frühere Geschäftsführer der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule. Ich freue mich immer, ihn zu sehen, denn Michael ist ein lebendiger Gegenentwurf zum Vorurteil vom humorlosen Lehrer. Er hat ein beeindruckendes Talent zum Schmieden von Schüttelreimen und Erfinden von Wortspielen, die er mühelos aus dem Ärmel „schüttelt“. Dies verbindet er mit der Kritik an unserem gegliederten Schulsystem, was er auch in einem jetzt neu aufgelegten Buch unter Beweis gestellt hat. Kostprobe:

Lasst uns lautstark demonstrieren,

immer wieder proklamieren

bis zum letzten Wortgefecht:

„Bildung ist ein Menschenrecht!“

Ich kann nur sagen: Dieser Poet spricht mir aus der Seele!

 

Bildnachweis:  GEW-Stände: GEW NRW;  Raúl Krauthauesn und Eva-Maria Thoms mit Peter Meidinger: mittendrin e.V. ;  Materialkompass: Snapschot von der Website der Verbraucherzentrale; Rassismus in der Schule: Auszug aus dem Programmheft des VB Bildungsmedien;  alle sonstigen Fotos: Ilka Hoffmann
 

Annegret Kramp-Karrenbauer und „die armen Kinder“

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Annegret Kramp-Karrenbauer hat die benachteiligten Kinder entdeckt.  In einer aktuellen Rede sagte sie: „Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass Kinder bei uns ausgegrenzt werden“.

Das klingt seltsam aus dem Mund einer Politikerin, die im Saarland seit Jahren die inklusive Bildung ausbremst und die Förderschule Lernen bis in alle Ewigkeit erhalten will.  Dass gerade die Förderschule Lernen im Wesentlichen von Kindern aus benachteiligten Familien besucht wird und als gesellschaftliches Abseits fungiert, ist „AKK“ entgangen. Ihr 2014 in der ZEIT erschienener Artikel macht deutlich wofür sie steht: Inklusion, ja, aber bitte nur bis zu einem gewissen Grad. Der Artikel strotzt vor Klischees und Gemeinplätzen. Internationale Studien und die Forschung hierzulande sind an AKK spurlos vorbeigegangen.

Auf Annegret Kramp-Karrenbauers Artikel habe ich seinerzeit geantwortet. Diese Einschätzung trifft immer noch zu:

Inklusion braucht einen Systemwechsel

 

Valentin Aichele (Deutsches Institut für Menschenrechte) zu Kramp-Karrenbauer

 

 

Foto: Cole Stivers: Girl (pixabay)

 

 

 

 

Besuch aus Südkorea

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In dieser Woche hatten wir in der Frankfurter Geschäftsstelle der GEW Besuch von Lehrerinnen für Sonderpädagogik aus Südkorea.  Der Leiter unserer Abteilung für Internationales, Manfred Brinkmann, hat  den gewerkschaftlichen Teil der Bildungsreise organisiert und die Kolleginnen vor Ort betreut.

Die Reise war von den südkoreanischen Behörden gefördert worden. Außer in Frankfurt haben die jungen Kolleginnen auch in Holland und Belgien Station gemacht. Ziel der Reise war es, sich mit Lehrkräften vor Ort über sonderpädagogische Förderung und Inklusion auszutauschen.

Insgesamt waren drei Teams in Europa und den USA unterwegs. Das Team, das uns besucht hat, hatte die spezielle Aufgabe, sich auch über gewerkschaftliche Interessenvertretung zu informieren. Alle Teams werden umfangreiche Dokumentationen ihrer Reisen erstellen und diese in der Heimat in entsprechenden Veranstaltungsformaten präsentieren.

Ich war sehr beeindruckt von der Wissbegierde der jungen Kolleginnen und fand es auch beachtlich, dass eine solche Reise von offizieller Stelle gefördert wird. Der Gedanke, dass man mal über den Tellerrand des eigenen Landes und der eigenen Lehr-Lern-Gewohnheiten hinausblickt, könnte sicher auch für das deutsche Bildungswesen eine befruchtende Wirkung entfalten.

Interessant war für mich die Reaktion der Gäste, als ich ihnen von dem Lehrdeputat von Lehrkräften und der Arbeitsbelastung von SchulleiterInnen berichtet habe. Großes Erstaunen: 28 Stunden Unterrichtsverpflichtung? Müssen SchulleiterInnen wirklich auch selbst unterrichten?

Hintergrund der Verwunderung: In Sükorea beträgt die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung im Durchschnitt 16 Stunden. Wer in der Schulleitung tätig ist, ist selbstverständlich vom Unterricht freigestellt, erhält eine spezielle Ausbildung und eine deutlich höhere Vergütung als einfache Lehrkräfte. Die Folge: Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Südkorea weder einen Lehrkräftemangel, noch kennt das Land Schwierigkeiten bei der Besetzung von Schulleitungen. Auf der anderen Seite waren die Kolleginnen erstaunt, dass es in Deutschland an jeder Schule eine Personalvertretung gibt. Hier scheint es in Südkorea noch Entwicklungsbedarf zu geben. Umso bemerkenswerter ist es allerdings, dass das Sammeln von Erfahrungen in diesem Bereich von staatlicher Seite gefördert wird.

Was die pädagogische Arbeit anbelangt, ist Südkorea auch kein reines Schlaraffenland. So beklagten die Kolleginnen, dass es keine Möglichkeit gibt, die Leistungsanforderungen und Bewertungen von Lernenden mit sonderpädagogischem Förderbedarf an deren Leistungsvermögen anzupassen. Einen Nachteilsausgleich kennt man in Südkorea nicht. Alle Kinder und Jugendliche müssen zur gleichen Zeit das Gleiche leisten. Dies führt für alle Lernenden zu einem enormen Leistungsdruck, was die guten PISA-Ergebnisse des Landes in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Denn der Bildungserfolg ist in dem System davon abhängig, ob man sich die teuren Nachhilfeeinrichtungen leisten kann – und ob die Lernenden der Rund-um-die-Uhr-Belastung physisch und psychisch standhalten.

Darüber hinaus hat der enorme Leistungsdruck zur Folge, dass Lernende mit Handicaps überdurchschnittlich häufig auf Sonderschulen landen. Das ist auch deshalb besonders problematisch, weil es in Südkorea keinerlei berufsfördernde Maßnahmen für diese Lerngruppe gibt, so dass die meisten nach der Schule einfach zu Hause herumsitzen. Auf der anderen Seite konnten die Kolleginnen mit dem Begriff „Lernbehinderung“ überhaupt nichts anfangen. Wer Probleme mit dem Lernen hat, gilt nicht als behindert und wird demzufolge auch nicht auf Sonderschulen überwiesen.

Südkorea ist derzeit dabei, das Schulsystem inklusiv umzugestalten. Interessanterweise entstehen dabei teilweise ähnliche Probleme wie derzeit in Deutschland. So fühlen sich viele sonderpädagogische Fachkräfte bei der Arbeit an Regelschulen als „fünftes Rad am Wagen“. Die Kommunikation mit den Regelschulkräften erweist sich oft als schwierig. Dies liegt zum einen an der straffen Leistungsorientierung, in der sonderpädagogischer Förderbedarf nicht vorgesehen ist. Zum anderen ist die Rolle von „experts for special education“ in der Inklusion noch nicht klar definiert.

Als besonderes Problem wurde von den Kolleginnen die fehlende Unterstützung im Falle verhaltensauffälliger Schüler herausgestellt. Wie bei uns gibt es in diesem Bereich viel zu wenige schulpsychologische und sozialpädagogische Fachkräfte.

Den Austausch mit den Kolleginnen aus Südkorea habe ich als sehr bereichernd erlebt. Auch für mich war es sehr hilfreich, die deutsche Bildungslandschaft einmal im Spiegel eines anderen Landes zu betrachten.

Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit im Arbeitsfeld Schule

Die Maikundgebungen 2018 standen unter dem Motto Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit. Dieser Dreiklang fasst die Zielsetzung einer inklusiven Entwicklung der Gesellschaft schlagwortartig zusammen. Wir Gewerkschafter*innen würden keinen dieser starken und auch emotional bedeutsamen Begriffe in Frage stellen. Auf der abstrakten und programmatischen Ebene sind sie unumstritten. Schwieriger wird es, wenn wir diese Begriffe auf die konkrete „Arbeitsebene“ herunterbrechen und sie in spezifischen Bereichen zur Grundlage der gewerkschaftlichen und praktischen Arbeit machen wollen.  Ich habe in der gewerkschaftlichen Online-Zeitschrift Denk doch mal versucht, diese Begriffe auf das Arbeitsfeld Schule zu beziehen – unter der Perspektive der gewerkschaftlichen Interessenvertretung:

Artikel

Die Band The Tap Tap aus Tschechien: Inklusion durch Musik

The Tap Tap

Im Februar 2017 wurde in Hamburg der Inklusionsaktivist Michel Arriens aus dem Bus geworfen. Angeblich stellte der Elektroscooter, den er aufgrund seiner Kleinwüchsigkeit benötigt, ein Sicherheitsrisiko dar. Erst nach massiven öffentlichen Protesten in den sozialen Medien fanden die Hamburger Verkehrsbetriebe plötzlich doch eine Lösung für das Problem.

Ein in Tschechien sehr erfolgreicher Song widmet sich in ironischer Weise einer ähnlichen Problematik. Er stammt von der Band The Tap Tap, die sich ausschließlich aus Menschen mit Handicaps zusammensetzt. Die Band wurde 1998 auf Anregung des Sozialarbeiters Šimon Ornest ins Leben gerufen. Von Anfang ging es darum, die befreiende Wirkung des eigenen Musizierens mit gesellschaftlichem Engagement für die Sache der Inklusion zu verbinden. Dies zeigte sich auch auf dem ersten Album, das die Gruppe 2010 herausbrachte (Párty na kolečkách – ‚Party auf Rädern‘). Darauf findet sich u.a. ein beeindruckendes Remake des Songs Rehab von Amy Winehouse.

2011 veröffentlichte die Band den Song Řiditel autobusu, der es im Netz auf rund 10 Millionen Clicks gebracht hat. Im Mittelpunkt des Liedes steht ein Mensch, der im Alltag auf eine Gehhilfe angewiesen ist. Da diese Person im Video zu dem Song mit einem Mitglied der Band (Marek Valenta) identifiziert wird, darf man wohl davon ausgehen, dass darin auch eigene Erfahrungen verarbeitet werden.

In Song und Videoclip hat der Protagonist seinen Rollstuhl in ein Spezialfahrrad umgewandelt, das ihm die Fortbewegung erleichtert. Als er damit jedoch in einen Bus einsteigen möchte, verweigert der Busfahrer ihm den Zutritt: Diese Gehhilfe sei in Wahrheit ein Fahrrad, Fahrräder seien aber von der Beförderung ausgeschlossen. (Passend zu dem Song bezeichnet der Bandname in Haiti die als öffentliche Verkehrsmittel benutzten, meist bunt bemalten Pick-ups und Kleinbusse.)

Der Song besteht im Kern aus dem Dialog, der sich in der Folge zwischen dem Busfahrer und dem abgewiesenen Fahrgast entfaltet. Während Letzterer rein sachlogisch argumentiert und auch die Beförderungsbedingungen – die Fahrräder für zulässig erklären, wenn sie wie eine Gehhilfe benutzt werden – auf seiner Seite hat, beharrt der Fahrer darauf, in seinem Bus selbst über die Zulassung und den Ausschluss von Passagieren zu entscheiden.

Im Videoclip träumt der Busfahrer sich dabei in die Rolle eines Popstars oder eines paramilitärischen Verteidigers der Ordnung hinein. Dadurch wird deutlich, dass es ihm letztlich gar nicht um die Einhaltung der Regeln, sondern vor allem um die Auskostung seiner Macht geht – weshalb er auch nicht als Busfahrer (řidič autobusu), sondern als Chef bzw. „Führer“ des Busses (řiditel autobusu) charakterisiert wird. So zeichnet der Song in ihm ein karikatureskes Psychogramm jener kleingeistigen Bürokraten, denen die Einhaltung abstrakter Regeln und Vorschriften wichtiger ist als die gelebte Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft.

Links:

Videoclip: The Tap Tap – Řiditel autobusu

(Song aus: The Tap Tap v Opeře – Mikulášská, 2011)

 

Videoclip mit englischen Untertitel

Liedtext

Weitere Songs von The Tap Tap auf bandzone.cz (Rehab: Párty na kolečkách, Nr. 02)

Band-Infos:

The Tap Tap Orchestra; Video von TRT World, englisch; Showcase, 11. Juli 2017.

Zimmermann, Marco: The Tap Tap – Lebensfreude für Musiker und Publikum; Radio Praha (auf  Deutsch), 20. Januar 2013.

 

Übersetzung (Dieter Hoffmann):

Der Bus-Führer

Mein neuer Rollstuhl ist so schnell wie der Wind und so stark wie ein Stier,

mit ihm fühlt sich die Welt wie ein ewiger Grillabend an,

ich habe wieder neuen Schwung, ich fühle mich, als wäre ich mindestens 1,60 Meter groß

und bin ganz im Reinen mit mir.

 

Das ist doch kein Rollstuhl, Bürschlein, das ist ein verdammter Fake!

Das ist ein Fahrrad, und Fahrräder sind im Bus nicht erlaubt.

Wer ein Fahrrad hat, muss draußen bleiben,

also tschüss und auf Wiedersehen!

 

Ich bin der Bus-Führer,

hier gelten meine Regeln und meine Gesetze.

 

Du bist der Führer in diesem Bus,

einem Bus, der in Richtung der Station „Ärger“ fährt.

 

Fahrräder sind hier nicht erlaubt, hier steht’s schwarz auf weiß,

zwing mich nicht, deutlicher zu werden!

Wenn du nicht gleich verschwindest,

kannst du dich auf was gefasst machen,

Querulanten wie dich werde ich hier nicht dulden!

 

Nur weil meine Schuhe kleiner sind als deine, habe ich nicht weniger Rechte als du!

Also denk mal drüber nach:

Nur weil irgendwo etwas schwarz auf weiß steht, ist die Realität noch lange nicht schwarz und weiß.

Was für dich wie ein Fahrrad aussieht, ist für mich eine Fortbewegungshilfe!

 

Du bist der Führer in diesem Bus,

aber die Welt besteht nicht nur aus Busspuren!

 

Ich bin der Bus-Führer,

komm mir nicht mit deinem verdammten Fahrrad in die Quere!

Fahrrad bleibt Fahrrad,

daran ist nichts zu ändern.

Dummkopf bleibt Dummkopf –

manche haben kurze Beine, manche sind etwas schwer von Begriff.

Fahrrad bleibt Fahrrad,

deine Argumente sind völlig aus der Luft gegriffen.

Dummkopf bleibt Dummkopf  –

wer sich auf das Regelwerk beruft, sollte es besser selbst genauer lesen!

 

Beförderungsbedingungen, Artikel 6, Paragraph 15:

Andere Fortbewegungshilfen werden wie Rollstühle behandelt, wenn sie diesen in Größe und Gewicht entsprechen.

 

Ich möchte keine vorschnellen Schlüsse ziehen

und ich will auch keinen Streit,

ich fordere nur das ein, was mir zusteht, verstehst du?

Menschen wie ich sind doch keine Märchengestalten,

wir sitzen im selben Boot wie du, also schmeiß uns nicht über Bord!

 

Wenn ich dich mit deinem Fahrrad hier reinlasse, büße ich meine ganze Autorität ein.

Da könnte ja jeder kommen!

Regeln sind Regeln, das kapiert sogar der dümmste Dorfdepp.

Wenn du eine Ausnahme willst, dann beschwer dich doch bei Schneewittchen, [du Zwerg]!

 

Ich bin der Bus-Führer,

wende dich doch an Gott, wenn du willst.

 

Du bist der Führer in diesem Bus,

und nächstes Mal nimmst du mir wahrscheinlich meinen Stock oder meine Prothese weg!

 

Ich bin der Bus-Führer,

komm mir nicht mit deinem verdammten Fahrrad in die Quere!

Fahrrad bleibt Fahrrad,

daran ist nichts zu ändern.

Dummkopf bleibt Dummkopf –

manche haben kurze Beine, manche sind etwas schwer von Begriff.

Fahrrad bleibt Fahrrad,

Dummkopf bleibt Dummkopf  –

wer sich auf das Regelwerk beruft, sollte es besser selbst genauer lesen!

 

Bild: Logo vpn The Tap Tap

Impressum/Datenschutz

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Ilka Hoffmann

Im Borresch 14

66606 St, Wendel

 

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Die Stärkung der pädagogischen Profession – ein großes Thema für die Bildungsgewerkschaften (ETUCE Workshop in Rom, 26.- 27. April 2018)

Impressionen Kongress

Schule und Bildung  sind beliebte Themen in den Medien und in der Politik Alle wissen, was besser oder anders werden muss. Die Erwartungen an die Lehrer*innen sind groß: Sie sollen Probleme wie soziale Benachteiligung, mangelnde Integration, den Erwerb von Zukunftskompetenzen lösen. Und dies alles in einem europaweit unterfinanzierten Bildungssystem und ohne Rückenwind der Politik und der Öffentlichkeit. Was ein guter Lehrer/eine gute Lehrerin ist, definieren nicht die Expert*innen für das Schulwesen  –   die Lehrer*innen oder ihre Gewerkschaften und Organisationen – , sondern Politiker*innen,  Medien und last but not least die Wirtschaft. Die Lehrkräfte werden als Produzenten des geeigneten „Humankapitals“ gesehen, Bildung wird in  erster Linie unter Verwertungsgesichtspunkten betrachtet.  Hinzu kommt: Bildung soll nicht allzu viel kosten und wird regelmäßig überprüft. Ist der Output an Humankapital nicht zufriedenstellend, sind die Lehrer*innen  schuld: Sie sind schlecht ausgebildet, zu wenig fortgebildet und nicht engagiert genug.

Es ist also an der Zeit, dass die Bildungsgewerkschaften das Heft in die Hand nehmen und mit ihren Mitgliedern definieren, was Lehrer*innen brauchen, um ihre Profession zu stärken, was gute Bildung ist und welche Unterstützung dazu von den Regierungen zu leisten ist. „Professional Needs“ sind ein Thema für den sozialen Dialog zwischen Bildungsgewerkschaften und Regierungen. Wie können Gewerkschaften dazu befähigt werden,  die professionelle Entwicklung und Stärkung der Kolleg*innen einzufordern und mitzugestalten?- Was können die europäischen Bildungsgewerkschaften voneinander in diesem Feld lernen?

Das sind die Themen eines EU-Projektes der Dachorganisation der europäischen Bildungsgewerkschaften ETUCE. An dem Projekt nehmen Gewerkschaften aus ganz Europa teil. Es zeigt sich: Bildungsgewerkschaften, die die Stärkung der Profession und die professionelle Entwicklung in den Fokus nehmen, sind politisch wirksamer.

Der Workshop des Projektes in Rom diente dazu, hierzu Leitlinien zu entwickeln, die den Bildungsgewerkschaften helfen, die professionelle Entwicklung und ihre Förderung (professional needs) wirksam in den sozialen Dialog einzubringen.  Die Erfahrungen, Möglichkeiten und Strukturen der Bildungsgewerkschaften in Europa sind höchst unterschiedlich: Es gibt Bildungsgewerkschaften ,z.B. in Schottland, die sehr erfolgreich Einfluss auf die Professionalisierung nehmen, aber auch Gewerkschaften, die nicht gehört werden (Türkei, Polen). Wenn Lehrer*innenbildung auf ideologischer Grundlage top down bestimmt wird, dann ist das schlecht für alle. Denn eines ist allen klar: Lernen ist ein sozialer Prozess, der in einer „lernenden“ Gemeinschaft aus Schüler*inne, Lehrer*innen, Eltern und allen, die zur Schulgemeinschaft gehören, stattfindet. Es  gibt keine Trennung zwischen der professionellen Stärkung der Lehrkräfte und dem erfolgreichen Lernen der Kinder und Jugendlichen. Es gibt keine gute Bildung, ohne dass die Bedürfnisse aller in der Lerngemeinschaft beachtet werden. In einer guten Schule ist das Lernen keine Einbahnstraße von den Lehrenden zu den Lernenden, sondern alle lernen voneinander.IMG_E1953

Deshalb sind die Bildungsgewerkschaften aufgerufen, die Profession der Lehrkräfte in diesem Sinne zu stärken und den Pädagog*innen zu helfen, ein starkes  Berufsethos zu entwickeln, das den Kampf für bessere Lern- und Arbeitsbedingungen einschließt.

 

 

 

Fotos: Agnes Roman, ETUCE

Russischer Kongress „Weiterbildung von Lehrkräften“ – Kaliningrad, 25. -28. März 2018

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Vom 25. bis zum 28. März 2018 fand in Kaliningrad ein gesamtrussischer Kongress zur professionellen Entwicklung der Lehrkräfte statt. Eingeladen waren FortbildnerInnen, LeiterInnen von Pädagogischen Hochschulen und MentorInnen aus der gesamten Russischen Föderation.  Veranstaltet wurde der Kongress gemeinsam von der russischen Bildungsgewerkschaft ESEUR,  dem Bildungsministerium der Russischen Föderation sowie den lokalen RepräsentantInnen aus dem Bildungsbereich. Als ImpuslgeberInnen waren auch VertreterInnen der Bildungsinternationale eingeladen: Alex Schneider und Nahum Nahum von  der israelischen Bildungsgewerkschaft, Mike Thiruman, der Generalsekretär der Bildungsgewerkschaft Singapur, Petri Kääriänen von der finnischen Bildungsgewerkschaft OAJ und ich für die GEW. Die internationalen Gäste hielten im Eröffnungsplenum jeweils einen Vortrag zu den Herausforderungen der  LehrerInnenfortbildung und der Rolle, die den Gewerkschaften in diesem Zusammenhang zukommt.

Hier eine kleine Diashow mit Eindrücken von der Reise:

 

 

Bild: Copyright Nahum Nahum: Drei russische Grundschüler bei einer Simulation einer Marsexpedition mit Hilfe computergesteuerter Legomodelle.

Ilona Lay: Christian

Albert_Anker_-_Porträt_eines_Knaben_mit_MützeDer Morgen mühsam buchstabiert
auf Fibeln ein gehetztes Brot
gähnend eine Uhr die droht
Unterricht ein Mund der friert

die Schrift ein regelloser Klecks
Tadel pädagogisch warm
formt ihn ein geschulter Arm
vorschriftsmäßig stempelnd – Sechs

der Schulhof Blicke aus Beton
sauber ordnend hallt ein Gong
fängt das Jahr von vorne an

Schultüten lachen friert ein Mund
und Bilder wie ein Alptraum bunt
aus dem wird nie ein rechter Mann

 

Gedicht entnommen aus: Ilona Lay: Versunken. Gedichte. LiteraturPlanet 2008

Bild: Albert Anker (1831-1010) : Porträt eines Knaben mit Mütze