Schule ist keine Bundesligatabelle – Warum Bildung, Lernen und Leistung das Gegenteil von Selektion und Konkurrenz sind

Ein schiefer Vergleich

Während die Bildungsforschung immer wieder auf strukturelle Ursachen von Bildungsungleichheit verweist, beschäftigt sich die öffentliche Debatte häufig mit Symbolfragen wie der Ausrichtung von Bundesjugendspielen.  In diesem Zusammenhang ist ein Vergleich von Sporttabellen und der Schule sehr populär. Zur Verteidigung des gegliederten Schulsystems regelmäßig dieser Hinweis bemüht: Niemand würde schließlich völlig unbegabte Fußballer gemeinsam mit Profis ins Trainingslager schicken. Leistung würde durch Inklusion und „Kuschelpädagogik“ untergraben.

Dieser Vergleich offenbart ein offensichtlich tief verankertes, alltagstheoretisches Bildungsverständnis, das Leistung eng mit Konkurrenz und Selektion verknüpft. Dahinter steht die Annahme, dass Leistungsfähigkeit vor allem durch Auslese entsteht und die Förderung einer vermeintlichen Elite Vorrang vor der Entwicklung aller haben sollte. Dieses Bildungsverständnis aus der Zeit des Feudalismus prägt bildungspolitische Debatten bis heute – obwohl die Bildungsforschung seit Langem darauf hinweist, dass nachhaltige Leistungsentwicklung vor allem dort gelingt, wo Ermutigung, Teilhabe und gute Lernbedingungen im Mittelpunkt stehen.

Es offenbart auch ein veraltetes Bild von Unterricht: Ein Unterricht, in dem es nur ein lehrerzentriertes, gleichschrittiges Lernsetting für alle gibt.

Schule als sozialer Ort

Schule ist aber keine Sortiermaschine, sondern ein sozialer Ort, an dem Demokratie und Zusammenhalt nicht nur vermittelt, sondern aktiv angebahnt und gelebt werden müssen. So betont der amerikanische Pädagoge John Dewey, dass Demokratie kein abstrakter Lerninhalt ist, der sich abfragen lässt, sondern eine Lebensform, die eingeübt und erfahren werden muss. Er formuliert: „Das klare Bewusstsein eines gemeinschaftlichen Lebens, mit allem, was sich damit verbindet, konstituiert die Idee der Demokratie“; Demokratie ist für ihn „diejenige Form des Zusammenlebens der Menschen, die ihre jeweiligen Kräfte am besten zum Tragen bringt“

Dieser Prozess beginnt in den Familien, findet jedoch in besonderem Maße in öffentlichen Bildungseinrichtungen statt. Dewey sieht die Schule als Modell einer „demokratischen Gemeinde“, in den demokratischen Tugenden wie Kritikfähigkeit, Solidarität und Kompromissbereitschaft erst entstehen und erprobt werden: „Die Schule muss selbst eine Gemeinschaft sein, in der die demokratische Lebensform gelebt wird“.

Öffentliche Schulen übernehmen damit eine Rolle, die sich grundlegend von kommerziell ausgerichteten Systemen wie der Bundesliga unterscheidet: Sie sind keine Orte der reinen Mehrwerterzielung und Konkurrenz, sondern Räume gemeinsamer Entwicklung, Teilhabe und Verantwortung – und sollten damit die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Demokratie als Lebensform überhaupt erlernbar wird.

Die gesellschaftliche Dimension

Forschung zur politischen Sozialisation zeigt: Demokratische Teilhabe entsteht dort, wo Menschen Selbstwirksamkeit und vor allem Zugehörigkeit erfahren. Wer erlebt, dass das eigene Handeln etwas bewirken kann, entwickelt eher die Bereitschaft, sich gesellschaftlich und politisch einzubringen. Politische Selbstwirksamkeit gilt daher als zentrale Voraussetzung für politische Partizipation.

Ebenso wichtig ist das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Zugehörigkeit stärkt die Identitätsentwicklung und fördert die Motivation, Verantwortung zu übernehmen und sich demokratisch zu engagieren. In einem selektiv ausgerichteten Schulsystem, das auf Wettbewerb und Konkurrenz beruht, kann nur schwerlich ein  demokratisches Zugehörigkeitsgefühl entstehen.

Für Schulen und andere Bildungseinrichtungen bedeutet das: Sie sollten Räume schaffen, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen, eigene Projekte gestalten und echte Mitbestimmung erleben. Gleichzeitig braucht es inklusive Strukturen, die allen das Gefühl vermitteln, dazuzugehören und anerkannt zu sein. Erst das Zusammenspiel von Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit schafft die Grundlage für demokratische Haltungen, Kompetenzen und langfristige gesellschaftliche Teilhabe – und fördert nicht zuletzt auch Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft.

Selektion und Konkurrenz schaffen keine gesellschaftlichen Werte und lassen Potentiale liegen.

Konsequenzen für das Bildungssystem

Leistungs- und Begabungsförderung bleiben zentrale Prinzipien von Schule. Allerdings zeigen motivationspsychologische Studien, dass nachhaltige Lernmotivation vor allem dann entsteht, wenn Kompetenz erlebt wird, ohne dass soziale Abwertung im Vordergrund steht.

Die Frage ist daher nicht, ob Leistung zählt, sondern wie sie rückgemeldet wird: als individueller Fortschritt oder primär im Vergleich zu anderen und deren Abwertung.

Eine Schule, die systematisch selektiert und entmutigt, riskiert langfristige gesellschaftliche Folgekosten. Eine Schule hingegen, die individuelle Entwicklung ermöglicht, stärkt Motivation, Verantwortungsbereitschaft und Teilhabe.

Ein Bildungssystem, das alle im Blick hat, bedeutet keine Abkehr von Leistung – sondern eine Voraussetzung dafür, dass möglichst viele Menschen ihr Potenzial entfalten und in einer demokratischen Gesellschaft einbringen können.

Und dies gelingt am ehesten in einer materiell und personell gut aufgestellten inklusiven Schule!


Literaturhinweise

Hoffmann, I. (2020). Politisches Empowerment von benachteiligten Lernenden: Paulo Freires Pädagogik der Unterdrückten. In G. Bade, A. Eis & J. Meyer-Heidemann (Hrsg.), Jetzt erst recht: Politische Bildung! Bestandsaufnahme und bildungspolitische Forderungen (S. 116–122). Wochenschau Verlag.

OECD (2019): PISA 2018 Results (Volume II): Where All Students Can Succeed. Paris: OECD Publishing.

Deci, E. L.; Ryan, R. M. (2000): The “What” and “Why” of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. Psychological Inquiry.
Vereinte Nationen (2006): Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK), Art. 24 Bildung.

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2026): Bildung in Deutschland

Oberle, M. (2023): Politische Sozialisation im Jugendalter. https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2023/Politische_Sozialisation_07_2023.pdf

Ziemes, J. F. & Deimel, D. (2024): Identität, politisches Interesse und politische Selbstwirksamkeit. In: Abs, H. J.; Hahn-Laudenberg, K.; Deimel, D.; Ziemes, J. F. (Hg.): ICCS 2022 – Schulische Sozialisation und politische Bildung von 14-Jährigen im internationalen Vergleich, Waxmann, S. 77–90

Diverse elementary students reading, drawing, and playing with blocks in classroom

Inklusive Bildung in Deutschland: Ein notwendiger Aufbruch

Warum wir einen inklusiven Aufbruch brauchen

Wenn Schule krank macht

Justin (Name geändert) möchte nicht mehr zur Schule gehen. Allein der Gedanke daran, im Klassenzimmer zu sitzen, löst bei ihm Übelkeit aus. Seine Eltern müssten ihn mit erheblichem Zwang zur Bushaltestelle oder ins Auto bringen.

Warum ist das so? Justin ist hochsensibel. Lärm verursacht ihm körperlichen Schmerz, Gewalt und Ungerechtigkeit lösen Angst aus. Gleichzeitig ist er kognitiv sehr interessiert: Er denkt viel, sucht Herausforderungen und vertieft sich gern in anspruchsvolle Inhalte. So hat er sich eigenständig Französisch beigebracht, spricht und schreibt fließend und bestand erfolgreich eine externe Sprachprüfung.

Und die Schule? Dort hört er: „Du musst die gleichen Aufgaben machen wie alle anderen. Wenn du fertig bist, bekommst du Zusatzaufgaben.“ Das bedeutet für ihn, sich stundenlang mit Inhalten zu beschäftigen, die ihn nicht fordern. Er übt, was er längst beherrscht. Die Folge ist nicht Faulheit, sondern Boreout – eine Form chronischer Unterforderung mit erheblichen psychischen Folgen.

Unsichtbare Barrieren: Wenn Anpassung zur Überforderung wird

Samira (Name geändert) spricht nicht und vermeidet Blickkontakt. Sie ist Autistin. Ihre Kommunikation erfolgt schriftlich – auf einem guten sprachlichen Niveau. Dennoch erhält sie in „Mitarbeit“ die Note 5, da sie sich nicht meldet und keine mündlichen Beiträge leistet.

Als sie aufgefordert wird, vor der Klasse vorzulesen, reagiert sie mit Überforderung: Sie schreit und verlässt den Raum. Der Kinderarzt empfiehlt den Eltern den Wechsel auf eine Förderschule.

Hier wird deutlich: Nicht mangelnde Fähigkeit ist das Problem, sondern ein Setting, das ihre Kommunikationsform nicht anerkennt. Die schulischen Anforderungen sind nicht barrierearm gestaltet, sondern orientieren sich an einem engen Normverständnis von „Beteiligung“.

Lebenskompetenz ohne Passung: Einseitige Leistungsmaßstäbe

Erwin (Name geändert) wurde im Alter von fünf Jahren adoptiert, nachdem er seine ersten Lebensjahre in einem rumänischen Kinderheim verbracht hatte. Er zeigt deutliche Entwicklungsverzögerungen und hat Schwierigkeiten, sich Inhalte langfristig zu merken.

Gleichzeitig verfügt er über alltagspraktische Kompetenzen: Er kann kochen, orientiert sich im Alltag und ist sozial integriert. Er wird von seinen Mitschülern akzeptiert und erlebt sich häufig als fröhlich und zugehörig.

Dennoch empfiehlt die Förderschullehrkraft den Eltern den Schulwechsel mit der Begründung, er werde „hier keinen Abschluss erreichen“. Leistung wird hier primär über kognitive Standards definiert – andere Formen von Kompetenz und Teilhabe geraten in den Hintergrund.

Veränderte Kindheit – unveränderte Schule

Kindheit hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Kinder und Jugendliche sind heute anderen, oft komplexeren psychischen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig haben sich diagnostische Möglichkeiten erheblich verbessert. Viele Kinder, die heute als autistisch diagnostiziert werden, galten früher als „verhaltensauffällig“ oder „geistig behindert“ und wurden häufig exkludiert.

Das Bildungssystem jedoch hat auf diese Entwicklungen nur unzureichend reagiert. Es fehlt an Personal, multiprofessionellen Teams und einer systematischen Vorbereitung auf heterogene Lerngruppen. Auch in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte bestehen weiterhin deutliche Lücken im Bereich Inklusion und Umgang mit Vielfalt.

Strukturelle Aussonderung als scheinbare Lösung

Deutschland begegnet diesen Herausforderungen häufig mit einem strukturellen Ausweichmechanismus: Für unterschiedliche Problemlagen existieren unterschiedliche Schulformen. Wenn Anforderungen zu groß erscheinen, wird der Wechsel auf eine Förderschule empfohlen – meist mit dem Hinweis auf unzureichende Ressourcen im Regelschulsystem.

Diese Logik verstärkt jedoch das Problem: Förderschulen benötigen ihrerseits erhebliche Ressourcen, die dem allgemeinen Schulsystem entzogen werden. Es entsteht ein Kreislauf der Aussonderung.

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland weiterhin zu den Ländern mit hohen Exklusionsquoten im Bildungssystem. Inklusive Bildung wird zwar politisch bejaht, aber strukturell nur zögerlich umgesetzt.

Inklusion als Entwicklungsauftrag

Es braucht ein ehrliches und systematisches Monitoring:

  • Welche Förderschwerpunkte und spezialisierten Angebote werden aktuell noch benötigt?
  • Wo muss konsequent in ein inklusives, personell gut ausgestattetes Regelschulsystem investiert werden?
  • Wie können individuelle Potenziale besser erkannt und gefördert werden?
  • Wie kann Schule zu einem Ort werden, der soziale Teilhabe, Toleranz und demokratische Kompetenzen stärkt?

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bleibt in Deutschland fragmentarisch. Historische Traditionen selektiver Bildung sowie aktuelle bildungspolitische Entscheidungen erschweren den notwendigen Transformationsprozess zusätzlich.

Ein leistungsfähiges Bildungssystem der Zukunft wird nicht durch stärkere Selektion entstehen, sondern durch eine konsequente Öffnung für Vielfalt. Ein inklusiver Aufbruch – in Schule und Gesellschaft – ist keine pädagogische Option, sondern eine bildungspolitische Notwendigkeit.

Literaturhinweise (Auswahl)

  • Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2022): Bildung in Deutschland. Bielefeld: wbv.
  • Boban, I.; Hinz, A. (2019): Index für Inklusion. Weinheim: Beltz.
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2021): Teilhabebericht der Bundesregierung.
  • Kuhl, P.; et al. (2020): Inklusion im deutschen Schulsystem – Entwicklungen und Befunde. Münster: Waxmann.
  • Prengel, A. (2016): Pädagogik der Vielfalt. Wiesbaden: Springer VS.
  • Speck, O. (2019): Schulische Inklusion aus heilpädagogischer Sicht. München: Ernst Reinhardt.
  • UN (2006): Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK).
  • Werning, R.; Arndt, A.-K. (2021): Inklusive Schulentwicklung in Deutschland. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Was KI über KI im Bildungsbereich „sagt“ – Meine Klassenlehrerin, der humanoide Roboter

Ein kleines ChatGPT-Experiment

Die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) für inklusiven Unterricht und Schule sind tatsächlich noch nicht einmal ansatzweise erschlossen. Auch ich beginne mich erst (auch angeregt durch unsere neue Bildungscampus-Direktorin, Dr. Anika Limburg) intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

Ich würde mich als durchaus technikaffin und aufgeschlossen bezeichnen. Dennoch beschleicht mich schon seit Jahren ein starkes Unbehagen angesichts der Heilserwartungen, die der Digitalisierung teilweise von Seiten der Bildungspolitik entgegengebracht werden. Diese beruht u.a. darauf, dass die sozial-emotionalen Probleme der jungen Menschen, die in allen Schulformen massiv zunehmen, von der Bildungspolitik kaum in ihrem Ausmaß wahrgenommen werden.

Aus meiner Sicht können auf KI basierende Programme die Möglichkeiten der Differenzierung von Inhalten und Unterrichtsgegenständen erweitern sowie bei der Erstellung von individualisierenden Arbeitsmaterialien und Unterstützungsmitteln entlasten und helfen. Das ist schon ziemlich super und sollte genutzt werden (können)!- Die Digitalisierung macht aber einen konservativen Unterricht allenfalls technisch moderner. Digitalisierung ist keine qualitative Verbesserung und sie baut auch keine Benachteiligungen ab, wenn das pädagogisch-didaktische Gesamtkonzept der Schule dies nicht hergibt. Und: Hinter Anwendungen stehen Konzerne mit Eigeninteressen. Adaptive Programme generieren Metadaten über Lernende. Hier braucht es dringend auch ethisch-gesellschaftliche Standards und Schutzkonzepte und nicht nur blinde Begeisterung.

Was mir noch größeres Unbehagen bereitet, ist die Simulation von Emotion und Empathie durch humanoide Avatare und Roboter. Da könnten theoretisch angesichts des Fachkräftemangels Begehrlichkeiten von Seiten der Bildungspolitik entstehen, Lehrkräfte nicht nur durch Programme, sondern gleich durch Roboter zu ersetzen.

Nun zu meinem sehr kleinen ChatGPT-Experiment: Ich habe Chat Gpt zunächst eine Story schreiben lassen und dann näher nachgefragt. Sowohl die Story als auch die Antwort waren sehr viel kritischer als erwartet:

Nachricht an ChatGPT: Schreibe eine Geschichte über Jamie, der aus einer armen Familie kommt, viele Probleme zu Hause und in der Schule hat. Seine nette Klassenlehrerin Frau Rech geht in Pension und wird durch Kathie (Roboter, gnerative KI) ersetzt. Jamie ist darüber unglücklich.

ChatGPT nach wenigen Minuten:  Jamie ist ein kleiner Junge, der viele Probleme zu Hause hat. Sein Vater ist gewalttätig, und die Familie hat große Schulden. Wenn Jamie in die Schule kommt, fühlt er sich oft traurig und allein. Doch seine Lehrerin, Frau Rech, ist sehr nett. Sie hat Verständnis für Jamies Situation und versucht, ihm zu helfen. Jamie fühlt sich bei ihr wohl und kann manchmal sogar lächeln.

Eines Tages geht Frau Rech in Pension. Die Schule hat nicht genug Lehrer, also beschließt die Kultusministerin, Lehrroboter mit generativer KI einzusetzen. So wird der Roboter Kathie Jamies neue Klassenlehrerin. Kathie kann alles erklären und stellt den Kindern passende Aufgaben. Doch Jamie interessiert sich nicht für Mathematik oder Deutsch. Stattdessen wirft er Papierkugeln nach Kathie. Sie bleibt freundlich und erklärt ihm, dass man das nicht machen darf.

In der Klasse gibt es viel Streit. Die Kinder prügeln sich, und Jamie wird wegen seiner alten Kleidung gehänselt. Kathie versucht immer wieder, den Kindern zu erklären, warum ihr Verhalten falsch ist. Doch Jamie hört nicht zu. Schließlich wird er wütend und schaltet Kathie aus. Die anderen Kinder sind unzufrieden und rufen nach Frau Rech. Sie vermissen die Wärme und das Verständnis, das sie ihnen gegeben hat. Jamie merkt, dass er nicht nur eine Lehrerin, sondern auch eine Freundin verloren hat.

Frage an ChatGPT: Warum kann Kathie keine Ordnung in der Klasse schaffen und warum kann sie Jamie nicht helfen?

Antwort von Chat GPT: Kathie kann Streit und Chaos in der Klasse nicht unterbinden, weil sie trotz ihrer fortschrittlichen Technologie und ihrer Fähigkeit, Lehrstoff perfekt zu vermitteln, einige entscheidende menschliche Qualitäten vermissen lässt. Während Frau Rech die emotionale Intelligenz und das Mitgefühl hatte, um auf die individuellen Bedürfnisse und Probleme der Kinder einzugehen, ist Kathie auf programmierte Verhaltensmuster und logische Reaktionen beschränkt.

Jamie, der durch die familiären Probleme emotional stark belastet ist, braucht nicht nur pädagogische Unterstützung, sondern auch emotionale Zuwendung und Verständnis, die ihm eine KI wie Kathie nicht bieten kann. Als Kathie ihm erklärt, dass man keine Papierkugeln werfen darf, fehlt ihr die Fähigkeit, die tieferliegenden Gründe für Jamies Verhalten zu erkennen und darauf einzugehen. Sie kann ihm keine echte Wärme und Geborgenheit vermitteln, was Jamie umso mehr frustriert.

Die Unfähigkeit der KI, auf emotionale und soziale Dynamiken einzugehen, zeigt sich auch darin, dass sie das aggressive Verhalten und die Hänseleien in der Klasse nicht effektiv verhindern kann. Während Frau Rech durch ihre Präsenz, Empathie und durchsetzungsfähige, aber liebevolle Art für Ruhe und Zusammenhalt sorgte, gelingt es Kathie nicht, das Vertrauen und den Respekt der Kinder zu gewinnen. Die Kinder sehen in ihr lediglich eine Maschine, die ihnen keine echte menschliche Verbindung bieten kann.

Als Jamie Kathie schließlich ausschaltet, wird deutlich, wie sehr er und seine Mitschüler Frau Rech vermissen. Sie war nicht nur eine Lehrerin, sondern eine Vertrauensperson, die sie durch schwierige Zeiten begleitete. Jamies impulsive Handlung ist ein Ausdruck seiner Verzweiflung und seines Wunsches nach der verlorenen menschlichen Nähe und Unterstützung.

Die Schule erkennt allmählich, dass fortschrittliche Technologie zwar in vielen Bereichen hilfreich sein kann, aber nicht in der Lage ist, die unersetzliche menschliche Komponente in der Erziehung und Betreuung von Kindern vollständig zu ersetzen.

Na, was sagt Ihr dazu?

Bild: Jaro: KI generiertes Bild (Pixabay)

Grams / Hoffmann: „Sich vor niemandem bücken, außer um ihm aufzuhelfen“- Zum Gedenken an Wolfgang Jantzen

Im November 2020 starb Wolfgang Jantzen. Gemeinsam mit Florian Grams habe ich einen Gedenkband herausgegeben.

Wolfgang Jantzen hat mit seinen theoretischen und praktischen Überlegungen zu Inklusion und Exklusion Generationen von Pädagog*innen geprägt. Ansetzend an den Positionen der kulturhistorischen Schule der sowjetischen Psychologen Vygotskij und Leontjew hat er gemeinsam mit Georg Feuser eine „materialistische Behindertenpädagogik“ entwickelt, die sich absetzt von einer paternalistischen Fürsorgepädagogik, in der „Behinderung“ als Persönlichkeitsmerkmal festgeschrieben wird. „Behinderung“ sah Jantzen als ein Bündel, die Entwicklung des Einzelnen behindernder Lebensumstände, als Ausdruck gesellschaftlicher Isolation und Einschränkung. Das Ziel jeder Pädagogik muss es demnach sein, diese Umstände zu analysieren, die behindernden Faktoren aufzudecken und neue Möglichkeitsräume für den einzelnen Menschen zu eröffnen.
Im vorliegenden Band finden sich nun unterschiedliche Beiträge von Menschen, die mit Wolfgang Jantzen zusammengearbeitet haben, deren Denken und Arbeiten er beeinflusst hat. Kaleidoskopartig werden so seine Persönlichkeit und seine Arbeit beleuchtet.
Mit diesem Band verknüpft sich die Hoffnung, dass die von Wolfgang Jantzen angestoßenen Diskurse weiterleben, dass sie zu einer wirklich inklusiven Pädagogik und engagiertem gesellschaftlichen Handeln ermuntern.

Neue Veröffentlichung: Die Schule in der Demokratie als Schule der Demokratie

Bildungsreformen als Fundament eines demokratischen Way of Life

Fast die Hälfte der Wahlberechtigten in NRW ging nicht zur Wahl. Die Gesellschaft ist gespalten wie nie. 20% glauben an Verschwörungstheorien… Viele fühlen sich nicht mit gemeint, selbst wenn es nun nicht mehr „Bürgerinnen und Bürger“ sondern Bürger*innen mit Päuschen heißt. Unsere Demokratie ist in Gefahr. Dies nun mit ein paar Stunden Politikunterricht in der Schule richten zu wollen, ist wohl eher die naive Vorstellung von BildungsbürgerInnen. Toleranz, Zusammenhalt, Gestaltungskraft und Verantwortung entstehen nicht durch die richtigen Fächer, Lerninhalte, Sprachverordnungen oder Besuchen von Gedenkstätten, sondern durch das lebendige Miteinander der Verschiedenen, durch Forschen, Mitbestimmen und Ausprobieren. Schule muss neu gedacht werden!!! – Demokratie ist mehr als eine Formalität. Wie Dewey sagt: Es ist ein „Way of Life“.

Der Inhalt des Buches: Die Lebendigkeit einer Demokratie hängt nicht in erster Linie von der Funktionsfähigkeit ihrer formalen Mechanismen ab. Wichtig ist dafür vor allem ein von Solidarität und Empathie, Eigenverantwortung und Diskursbereitschaft getragener Alltag. Dieser muss folglich auch das Leben und Lernen in der Schule bestimmen. Was muss sich dafür ändern?

eBook:

7,49 €

Kindle

ePub

Buch

17, 80 €

mit farbigen Abbildungen

Verlagsbestellung

Inhaltsverzeichnis und Einführung als PDF

Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit

Gewerkschaftliche Gedanken zum Thema Klimaziele und Nachhaltigkeit

Gewerkschaftsarbeit ist mehr als bloße Interessenvertretung. Schon immer haben Gewerkschaften auch für gesellschaftliche Veränderungen gekämpft und sich dem Frieden und der gesellschaftlichen Solidarität verpflichtet gefühlt. Nachhaltigkeit und Bildung für Nachhaltige Entwicklung waren deshalb für mich ein großes Thema und vor allem auch ein soziales und gesellschaftspolitisches Thema. Mit Ansgar Klinger (GEW) und KollegInnen – vor allem auch Antje Utecht (IG Metall) – aus dem DGB haben wir in die gewerkschaftlichen Zugänge in die Bundesdebatte zu BNE aktiv eingebracht.

Unsere Gedanken dazu haben wir in einem Artikel der Zeitschrift „Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis“ dargelegt. Wenn man sich die „Klimadebatten“ auf der politischen Bühne anschaut, dann ist die Verknüpfung von ökologischen und sozialen Zielen DAS Zukunftsthema. Es reicht nicht, wenn sich die GEW an die Klimabewegungen dranhängt. Gewerkschaftliche Aspekte und das Thema gesellschaftliche Inklusion müssen mit Leidenschaft, Kompetenz und Überzeugung weiterhin in die BNE-Debatte eingebracht werden.

Unser Artikel:

Ansgar Klinger, Ilka Hoffmann, Antje Utecht: Gute Bildung für alle und faire Arbeitsbedingungen als gewerkschaftliche Nachhaltigkeitsziele

Fortbildung für Lehrer*innen? – Ja, aber welche?

Veröffentlichung der Friedrich-Ebert Stifung

„Die pandemiebedingten Schulschließungen haben viele Baustellen des deutschen Bildungssystems offenbart. Eine besonders wichtige ist die der Fortbildung von Lehrkräften. Viel zu lange und ungerechtfertigt spielte dieses Thema in der Öffentlichkeit eine Nebenrolle. Dass das Lernen auch für Lehrkräfte nicht mit der Einstellung in den Schuldienst endet, machen die sich rasch wandelnden gesellschaftlichen und technischen Herausforderungen deutlich.
Nur ein Beispiel ist die Qualifizierung von Lehrkräften für einen pädagogisch reflektierten Umgang mit digitalen Technologien. Andere Stichworte sind Umgang mit Heterogenität, Inklusion, Förderung leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler, eine erfolgreiche Schulentwicklung, Demokratieerziehung oder ökologische Bildung.

Die große Bedeutung des Themas war Anlass für eine Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 22. und 23. September 2020. Die Beiträge der Referent_innen finden sich im vorliegenden Band.“

Netzwerk Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Ich durfte an dieser spannenden Tagung teilnehmen und habe mich auch an dem Tagungsband beteiligt.

Hier der Tagungsband zum Download:

http://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/18117.pdf

Bilder: Pixabay

Die Coronakrise als Vergrößerungsglas

Die Coronakrise hat überdeutlich gemacht, dass man eben nicht alle Kinder und Jugendlichen über einen Kamm scheren kann, dass Bulimie-Lernen nichts bringt und es Wichtigeres gibt als zentrale Prüfungen und abfragbares Wissen. Ich höffe wir lernen daraus, dass das Gesamtsystem gerechter werden muss und Sozial- und Bildungspolitik ineinandergreifen. Inklusion ist kein Randthema, sondern das Topthema für die Zukunft!

Hier mein Artikel in der GEW-Zeitung dazu:

Schulische Abseitsfalle

Auch hier spielte das Thema eine Rolle.

ZDF-Zoom: Schulen im Corona-Stress